Häusliche Gewalt

Ein selbst bestimmtes Leben ohne Gewalt ist das Grundrecht eines jeden Menschen.
Häusliche Gewalt ist eine Verletzung der Menschenrechte, die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert sind. Sie sollte nicht als Familienstreitigkeit oder Beziehungskonflikt verharmlost werden, da es sich um ein schwerwiegendes kriminelles Unrecht handelt.
Das Erfahren von Gewalt in der Familie und in der Partnerschaft ist leider kein Ausnahmefall. Diese Form von Gewalt ist umso problematischer, als sie in den eigenen vier Wänden, im eigentlich „geschützten“ Rahmen der Ehe, Familie und Partnerschaft ausgeübt wird. Der/ die Täter(-in) ist der/ die Partner(-in), können aber auch Söhne, Eltern, Schwiegermütter und andere Verwandte sein. Kennzeichnend ist zudem, dass es sich in der Regel nicht um einen einmaligen Übergriff handelt, sondern es immer wieder zur Gewaltausübung kommt.
Häusliche Gewalt kennt keine soziale Zugehörigkeit, sie leitet sich nicht von Einkommen, Herkunft, Religion oder Kultur ab. Sie ist ein globales Problem und in fast allen Kulturen verbreitet. Auch in Deutschland gab es bis in die jüngere Geschichte hinein das „Züchtigungsrecht“ und die Prügelstrafe des Familienvorstandes. Dies wurde erst 1928 endgültig abgeschafft. Noch bis in die 1950er Jahre hinein konnte der Ehemann über die Berufstätigkeit seiner Ehefrau entscheiden. Unzählige (Ehe-)Partner meinen noch heute, sie seien dazu berechtigt gegenüber ihren (Ehe-)Partnerinnen Gewalt anzuwenden.
Frauen sind durch häusliche Gewalt mehr bedroht als durch alle anderen Gewaltdelikte. Zuverlässige Schätzungen gehen davon aus, dass in jeder dritten Partnerschaft Frauen Gewalt erfahren, Migrantinnen sind hiervon überproportional betroffen.

Formen der Gewalt

Häusliche Gewalt umfasst nicht nur körperliche Verletzungen, sondern auch:

  • Psychische Gewalt (u.a. Schlafentzug, Erniedrigungen, Demütigungen, Drohungen)
  • Soziale Gewalt (u.a. Einsperrungen, Kontaktverbote, soziale Isolierung)
  • Sexualisierte Gewalt (u.a. Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Zwang zu sexuellen Handlungen, sexueller Missbrauch)
  • Ökonomische Gewalt (u.a. kein Zugang zum Familieneinkommen, Verbot der Erwerbstätigkeit)

Meistens treten mehrere Gewaltformen gemeinsam und in stetig kürzeren Abständen auf.  Daher spricht man in diesem Zusammenhang von Rad der Gewalt. 

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Zwangsverheiratung

Eine Zwangsverheiratung liegt vor, wenn ein oder beide Ehepartner durch eine oder mehrere Formen von Gewalt, gegen ihren Willen zu einer Eheschließung gezwungen werden. Auch wenn einer oder beide Partner zum Fortbestand der Ehe gedrängt werden, handelt es sich um eine Zwangsehe. Die Zwangsheirat kommt in vielen traditionellen Gesellschaften und in unterschiedlichen Religionsgemeinschaften vor. Durch Zwangsverheiratung werden die Rechte auf selbst bestimmte Wahl des Partners und der Eheschließung sowie der individuellen Freiheit verletzt. Zwangsverheiratung ist somit auch eine Menschenrechtsverletzung, da sie gegen den  Artikel 16, Absatz 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verstößt.

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